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Das Bergische Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health


Gesundheit der Zukunft – Zukunft der Gesundheit


von Prof. Dr. Rainer Wieland und Prof. Dr. Kerstin Schneider /
wieland@uni-wuppertal.de, schneider@uni-wuppertal.de
 

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Gesundheit als zentrales Thema des 21. Jahrhunderts
Gesundheit ist alles – ohne Gesundheit ist alles Nichts.

Gegenwärtig beobachten wir gravierende Veränderungen struktureller, finanzieller und auch kultureller Art im Gesundheitswesen. Eindrucksvoll zeigt sich dies in den Diskussionen zu den aktuellen Reformen im Gesundheitssystem und hier insbesondere zum umstrittenen Gesundheitsfonds. Dass der Gesundheit in der gegenwärtigen Phase der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen weltweit eine Schlüsselrolle zukommt, wurde von Nefiodow in Fortführung der „Theorie der langen Zyklen“ der Konjunktur des russischen Ökonomen Kondratieff (1892 – 1938) eindrucksvoll beschrieben.

Eine wesentliche Eigenschaft von Kondratieff-Zyklen ist, dass bereits vorhandene, aber bisher noch zu wenig beachtete bzw. genutzte Ressourcen ins allgemeine gesellschaftspolitische Bewusstsein treten und breite Bedeutung für wirtschaftliche und politische Entscheidungen bekommen. Im ersten bis vierten Zyklus waren diese Ressourcen (materielle) Energie, im fünften Kondratieff ist es die Informations- und Kommunikationstechnologie. Im Zeitalter des sechsten Kondratieff-Zyklus werden, so die Prognose, die Biotechnologie und die psychosoziale Gesundheit die vorherrschenden Themen sein. Damit werden gravierende Veränderungen struktureller, finanzieller und kultureller Art im Gesundheitswesen einhergehen. In einer der sechs interdisziplinären Profillinien der Bergischen Universität greift die Bergische Universität dieses wichtige Thema mit der Profillinie „Gesundheit, Prävention und Bewegung“ auf.

Unternehmen, Krankenkassen und Politik nehmen längst die Bedeutung des wertschöpfenden Faktors „Gesundheit“ in verstärktem Maße wahr und investieren entsprechende finanzielle und personelle Mittel. Ausdruck dafür sind zahlreiche Initiativen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, deren Ziel darin besteht, durch Prävention und gesundheitsförderliche Maßnahmen im Betrieb sowie durch Stärkung der Eigenverantwortung die Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Beispiele dafür sind die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung (1997); das Teilziel 25 der WHO-Deklaration „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ (WHO, 1991) oder das Deutsche Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF). Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat im Jahre 2001 einen Arbeitsbericht „Betriebliche Gesundheitsförderung“ veröffentlicht, um dem „wachsenden Stellenwert des unternehmerischen Interesses an gesunden, arbeits- und leistungsfähigen Mitarbeitern“ gerecht zu werden.

In Nordrhein-Westfalen ist die Gesundheitswirtschaft mit mehr als einer Millionen Beschäftigten mit Abstand die größte Branche. Aufgrund ihrer hohen Wachstumsdynamik ist in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs von rund 200.000 Arbeitsplätzen in Nordrhein-Westfalen zu rechnen. Einer der Gründe dafür ist die demographische Entwicklung. Im Jahr 2008 lebten in Nordrhein-Westfalen über 18 Millionen Menschen, von denen etwa 20 Prozent über 65 Jahre alt waren. Der Anteil der über 65-Jährigen wird bereits in den nächsten Jahren rapide steigen, so dass der Gesundheitswirtschaft und der Versorgung der alternden Bevölkerung in Zukunft eine zentrale Rolle zukommen wird.

In den letzten Monaten vergeht kaum ein Tag, an dem in der regionalen Presse nicht auch das Thema Gesundheit eine Rolle spielt. Dabei geht es häufig darum, wie die Bergische Gesundheitswirtschaft mit innovativen und wirtschaftlich machbaren Konzepten den künftigen Herausforderungen an die Gesundheitsversorgung begegnen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.

Gesundheit als gesellschaftliche und unternehmerische Ressource soll auch an der Bergischen Universität Wuppertal ein innovatives, zukunftsweisendes Forschungs- und Handlungsfeld werden. Die Bergische Universität stellt sich den Herausforderungen, indem sie in enger Kooperation mit der Bergischen Gesundheitswirtschaft daran arbeitet, ein „Bergisches Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health“ (BKG) an der Bergischen Universität Wuppertal aufzubauen. Das BKG wird als Institut der Bergischen Universität Wuppertal an der Schumpeter School of Business and Economics des Fachbereichs B – Wirtschaftswissenschaft angesiedelt sein. Es ist zudem wichtiger Bestandteil der oben bereits genannten Profillinie „Gesundheit, Prävention und Bewegung“ der Bergischen Universität.

Die Bergische Gesundheitswirtschaft bietet mit ihrer Infrastruktur und ihren Kompetenzfeldern hervorragende Voraussetzungen, um ein solches Vorhaben zu realisieren. Über die enge Vernetzung des BKG mit der Bergischen Gesundheitswirtschaft wird dabei für alle Beteiligten ein erheblicher Mehrwert geschaffen.

Das Bergische Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health besteht aus drei Säulen: Dem Bergischen Gesundheitsnetzwerk, dem BKG-Institut der BUW sowie den BKG-Studiengängen.

            Die drei Säulen des BKG              -            Aufbau des Institutes             Die drei Säulen des BKG              -            Aufbau des Institutes

Bergisches Gesundheitsnetzwerk: Beteiligte des Bergischen Gesundheitsnetzwerk sind Kliniken, die Versicherungswirtschaft, öffentlicher Gesundheitsdienst, Verbände und Kammern, Gesundheitsinitiativen in der Region, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen (Universität, Fortbildungsakademien, Institute), Gesundheitsdienstleister, Medizin- und Gesundheitstechnik, Pharmaindustrie, Gesundheitshandwerk, Handel mit Gesundheitsprodukten sowie Biotechnologie.

Durch die enge Kooperation von regionaler Gesundheitswirtschaft (BGW) und dem BKG-Institut sollen zukunftsfähige und nachhaltige Konzepte für die Handlungsfelder Gesundheitsökonomie, Gesundheitsmanagement und Public Health entwickelt, erprobt und evaluiert werden. Zudem sollen neue Wege gesucht werden, wie durch innovative, zukunftsweisende Konzepte einerseits Kosten reduziert (z.B. durch Umgestaltung traditioneller Versorgungsketten), und andererseits neue Bedürfnisse (z.B. nach Gesundheitsdienstleistungen) und Absatzmärkte befriedigt. werden können. Die institutionelle bzw. strukturelle Verankerung des Netzwerkes wird durch die Gründung eines „BKG-Fördervereins“ unterstützt.

BKG-Institut: Das BKG-Institut der Bergischen Universität Wuppertal wird als IN-Institut der Bergischen Universität vor allem durch Sponsorengelder von Unternehmen der Bergischen Region finanziert. Die Institutsleitung des BKG-Instituts wird aus der/dem künftigen Inhaber/in der Barmenia-Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement und der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft bestehen.

Zentrale Aufgaben sind der Aufbau und die Organisation der Lehre in den „BKG-Studiengängen“, die Initiierung und Durchführung interdisziplinär ausgerichteter Forschung sowie der Praxistransfer, d.h. die Sicherung des Austauschs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Der interdisziplinäre Forschungsansatz umfasst Forschungsfelder der Wirtschaftswissenschaft wie Gesundheitsökonomie, Controlling, Personal und Organisation, Arbeit, Bildung und Gesundheit, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Bewegungswissenschaft, Sportmedizin, Rehabilitation und Gesundheitspädagogik. Durch die interdisziplinär angelegte Forschung leistet das BKG-Institut damit zugleich einen Beitrag zur Integration der sieben Fachbereiche in die an der BUW neu installierte Profillinie „Gesundheit, Prävention und Bewegung“. Ziel sind exzellente, national und international angesehene Forschungen bzw. Publikationen im Bereich der Gesundheitswissenschaften. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf interdisziplinären Forschungsprojekten, die sich mit den Herausforderungen der Gesundheitswirtschaft von morgen (z.B. Integration von Medizin und Wirtschaft, neue, integrierte Versorgungs- und Finanzierungsmodelle, Expertisen zu Fragen der Gesundheitsökonomie, altersgerechte Versorgung, Spannungsfeld (Medizin-)Ethik und Ökonomie bzw. Humanität und Wirtschaftlichkeit) befassen.

Zentrale Handlungsfelder des BKG sind die Akquise von Drittmitteln, die Entwicklung innovativer und praxisnaher Weiterbildungsangebote für verschiedene Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen sowie wissenschaftsgestützte und qualitätsgesicherte Beratungsdienstleistungen (BeratungsServices) für die Gesundheitswirtschaft.

Unterstützt wird das BKG-Institut in der Gestaltung dieser Handlungsfelder durch das bereits bestehende Kompetenzzentrum für Fortbildung und Arbeitsgestaltung (KomFor) der Bergischen Universität Wuppertal. Besonderes Merkmal der Arbeit von KomFor ist die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und Expertise mit praktischen Erfahrungen in Unternehmen. Zwei seit vielen Jahren erfolgreiche Forschungs- und Beratungsschwerpunkte bilden dabei das Betriebliche Gesundheitsmanagement und die Gesundheitsberichterstattung.

Die Studiengänge: Geplant sind in der ersten Ausbaustufe: Ein Bachelor of Science (B.Sc.) in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement als regulärer und dualer Studiengang; sowie ein Master of Business Administration (MBA) in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement. Für die zweite Ausbaustufe ist ein Master of Science (M.Sc.) in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement vorgesehen.

Der Bachelor bietet als berufsbegleitender (dualer) Studiengang den Studierenden aus verschiedenen Gesundheitsberufen die Möglichkeit, neben ihrer beruflichen Tätigkeit einen ersten Hochschulabschluss zu erwerben. Durch die Verbindung von Berufsausübung und Studium können berufsspezifische Fachkenntnisse um Inhalte aus den Gesundheitswissenschaften (Medizin, Gesundheitsökonomie und -management), der Volks- und Betriebswirt schaftslehre und der Rechtswissenschaft vertieft und erweitert und zugleich während der beruflichen Tätigkeit im Unternehmen erprobt werden.

Der Studiengang, der zusammen mit den Gründungsmitgliedern des BKG bzw. den Beteiligten der Bergischen Gesundheitswirtschaft entwickelt wird, gliedert sich in vier Fächergruppen: Gesundheit des Menschen, Gesundheitssysteme, Gesundheitsmanagement und Schlüsselkompetenzen. Hinzu kommt ein Studienmodul „Professionalisierung“, das aus zwei berufsbezogenen Praktika/Projektstudien und der Bachelor-Thesis besteht.

Das BKG soll für die Bergische Gesundheitswirtschaft und die interessierte Öffentlichkeit eine Plattform schaffen, die dringliche und zukunftsweisende Fragen und Problemstellungen der Gesundheitswirtschaft und der Gesundheitsversorgungssysteme aufgreift, erforscht und in entsprechende Ausbildungs- und Weiterbildungskonzepte umsetzt.

Darüber hinaus sollen Themen wie Bildung und Gesundheit oder Gesundheit als gesellschaftliche und unternehmerische Ressource integraler Bestandteil der Ausbildung in vielen Fächern an der BUW werden. Die AbsoventInnen der Universitäten sind die künftigen Leistungsträger unserer Gesellschaft, die in Zukunft mehr denn je einen Bedarf an „Gesundheit“ haben wird.

Die Bergische Universität und die Bergische Gesundheitswirtschaft werden in vielfältiger Weise von der geplanten Konzeption des BKG profitieren.

Im Einzelnen resultiert dies daraus, dass:

(a) dem BKG ein interdisziplinäres Forschungskonzept zugrunde liegt, das gegenwärtig schon vorhandene gesundheitsrelevante Forschungsfelder verschiedener Disziplinen der Bergischen Universität umfasst;

(b) Forschungsfragen, Expertisen oder wissenschaftsgestützte Beratungen unter langfristigen Perspektiven mit der Gesundheitswirtschaft entwickelt und bearbeitet werden können. Effizienz, Wertschöpfungspotenzial und Nachhaltigkeit von Maßnahmen in Praxisfeldern werden so überprüfbar;

(c) Problemstellungen der Bergischen Gesundheitswirtschaft durch die enge Kooperation mit der Forschung bzw. Wissenschaft auf kurzem Wege, mit bekannten Ansprech- und ProjektpartnerInnen des Bergischen Gesundheitsnetzwerkes diskutiert und in anwendungsbezogene Forschungsprojekte umgesetzt werden können. Die häufig auftretenden Vermittlungsprobleme (jede Disziplin spricht ihre Sprache) können so reduziert und eine lebendige und vertrauensvolle Kommunikation aufgebaut werden;

(d) in regelmäßigen Abständen Gesundheitskonferenzen/- tagungen stattfinden werden, auf denen sich Wissenschaft, Praxis und (Gesundheits-)Politik treffen;

(e) die Aktivitäten des BKG Gesundheitsnetzwerkes zur Profilierung der Bergischen Gesundheitswirtschaft und der BUW auf regionaler und überregionaler Ebene beitragen können.

Gründungsmitglieder bzw. Sponsoren des BKG sind:
  • Akademie für Gesundheitsberufe, Wuppertal,
  • Barmenia Versicherungen, Wuppertal,
  • Barmer Ersatzkasse, Wuppertal,
  • Bethesda Krankenhaus, Wuppertal,
  • GHD GesundHeits GmbH Deutschland,
  • Helios Klinikum Wuppertal GmbH,
  • Kliniken St. Antonius,
  • Klinikum Solingen,
  • Radprax, Wuppertal,
  • Sana Klinikum Remscheid GmbH,
  • Stiftung Krankenhaus St. Josef, Wuppertal.
Dem Unterstützerkreis gehören gegenwärtig neben den Gründungsmitgliedern an:
  • AiCuris, Wuppertal,
  • Bayer Health Care, Wuppertal,
  • IHK Wuppertal,
  • Medifit Wuppertal,
  • KSB-Klinikberatung GmbH, Sprockhövel,
  • Stiftung Tannenhof, Wuppertal,
  • em. Prof. Dr. Dieter Cassel, Universität Duisburg-Essen,
  • Verdi Bezirk Wuppertal-Niederberg.
Für den weiteren Ausbau des BKG wird angestrebt, den Kreis der Sponsoren in Zukunft noch zu erweitern. Dies betrifft auch die Unterstützung durch Mittel aus staatlichen Förderprogrammen und anderen Quellen (z.B. Stiftungen). So können wir inzwischen davon ausgehen, dass das BKG auch vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW im kommenden Jahr gefördert wird.

Literaturhinweise
Nefiodow, L. A. (2001). Der Sechste Kondratieff. Wege zur Vollbeschäftigung im Zeitalter der Information. (5. überarb. Aufl.). Sankt Augustin: Rhein-Sieg-Verlag. WHO (1991) Die dritte Gesundheitsförderungskonferenz der WHO im Juni 1991 im schwedischen Sundsvall.


Initiatoren des Bergischen Kompetenzzentrums für Gesundheitsmanagement und Public Health sind Rektor Prof. Dr. Lambert Koch, Prof. Dr. Rainer Wieland und Prof. Dr. Kerstin Schneider, beide Fachbereich B–Wirtschaftswissenschaft, Schumpeter School of Business and Economics, unterstützt von dessen Dekan Prof. Dr. Michael Fallgatter, dem Rektorat sowie dem Hochschulrat der Bergischen Universität.

Druckversion von http://www.fbg.uni-wuppertal.de/ausgabe1/wieland